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Knappes Gut: Auftausalz

Ein knappes Gut: Streusalz

Seit Tagen, eigentlich Wochen, versucht Frau gzi-kielnotiert Streusalz zu bekommen. Denn das Grundstück ist groß und außer Ihrem Herrn Vater mit 82 Jahren wohnen weitere ältere Leute dort, so dass für Sicherheit gesorgt sein muss. Aber weit und breit war kein Streusalz zu bekommen. Weder im Örtchen noch in der Landeshauptstadt. Alle Läden sind per Auto abgeklappert und wiederholt telefonisch nachgefragt.

Durch Zufall war sie heute in einem Baumarkt nur um zu fragen, wann mit einer Lieferung zu rechnen wäre. Da erfuhr sie, dass es Wartelisten gibt. Das hatte man bei den telefonischen Anrufen vorher aber nicht erwähnt, längst hätte man sich ja dort eingereihen lassen. Nachdem gzi-kielnotiert dann auf der Liste stand, allerdings bliebt ungewiss ob und wann es Salz gibt, will sie an den Schreibtisch fahren. Aber der Parkplatz ist versperrt, weil ein riesiger LKW mit einer Warenlieferung den Weg versperrt. Er bringt das kostbare Gut, das mittlerweile von den Herstellern palettenweise zugeteilt wird. Also wartet gzi-kielnotiert doch lieber gleich und lädt sich dann das Auto voll mit dem weißen Gold… denn einige Geschäfte haben erkannt, wie groß die Not ist und nehmen mittlerweile den dreifachen Preis… auch die Internetlieferanten, wie sie gerade einmal nachgeschaut hat, können kein Salz mehr liefern und haben horrende Presie. Auch hört man Gruseliges: Im Örtchen wurden Autos aufgebrochen, nur weil dort Schneeschieber zu sehen waren, die auch nicht mehr käuflich zu erwerben sind. Zeiten scheinen angebrochen, von denen hat gzi-kielnotiert sonst nur aus Erzählungen gehört: Sie erinnern an ehemalige DDR-Verhältnisse oder Nachkriegszeiten.

Die deutsche Salzproduzenten, zum Beispiel der Dax-notierte hersteller ESCO, arbeiten mit Hochdruck. ESCO hat 800000 t Lagerkapazität, muss zurzeit aber wegen der Nachfrage direkt aus der Produktion liefern, wie ein Unternehmenssprecher dem Tagesspiegel sagte und wird nach Prioritätenliste verteilt: Zuerst Autobahn- und Fernstraßenräumdienste. Anfang des Jahres hatte die Tagesschau bereits in einer Sendung publiziert, dass auch viel Streusalz wegen seiner Qualität aus dem Königreich Marokko kommt. Es wird in Europa in der Güteklasse A eingestuft, weil es zu mehr als 98 Prozent aus reinem Kochsalz besteht. Das hat seinen Preis. Eine Schiffsladung mit ca. 5000 Tonnen kostet bis zu 200.000 Euro. Ein gutes Geschäft für Marokkos Salzproduzenten: Seit 2005 liefern die Salzwerke pro Jahr 150.000 Tonnen Streusalz nach ganz Europa – Spitzenkunde aber ist Deutschland. Mehr als die Hälfte von Marokkos Streusalz landet auf den Autobahnen zwischen Kiel und Passau.

Frau gzi-kielnotiert ist aber sehr froh, dass auch sie jetzt rund 200 kg Streusalz in ihrer Garage stehen hat. Das wird erstmal reichen, auch wenn der Winter noch anhält.

8 Kommentare zu „Auf der Jagd nach Streusalz – den Kommunen geht das Salz aus“

  • piri:

    Bei uns gibt es schon lange kein Salz mehr, die Straßen sind mittlerweile trotzdem matschig und die Gehwege (manchmal) gar nicht geräumt. Und eigentlich täte ich auch kein Salz streuen, der Umwelt zuliebe!

  • GZi:

    @Piri: Mein Vater ist bereits einmal gefallen, obgleich wir mit Sand alles abgestreut haben. Ehrlich gesagt fände ich es ziemlich unzumutbar, wenn er das Haus nicht verlassen kann über Wochen wegen des Risikos, sich was zu Brechen. Mit dem Salz-Sand-Gemisch kann ich gut leben – und ich bin sicher alles andere als eine Umweltsünderin, dazu mag ich Garten und Natur viel zu sehr. Da gibt es ganz sicher andere und schlechtere Beispiele…

  • Manchmal muss man einfach zum Salz greifen, weil man ansonsten einfach nicht mehr Herr der Lage werden kann, insbesondere dann wenn die Flächen stark vereist sind.

  • Lilo:

    Bei uns geht das Salz auch zur Neige. Die Nebenstraßen werden gar nicht mehr gestreut, sondern nur noch geräumt und die Hauptstraßen werden nur sehr sparsam gestreut. Bei uns in der Straße hat irgendjemand – ob es die Gemeinde war, weiß ich nicht – Schotter auf die Straße gestreut, damit zumindest irgendwas gegen die Glätte getan wird..

  • GZi:

    @Hoppsassa: Ja, zumal es tagsüber immer taut und nachts dann wieedr überfriert. Wir können uns ja gerade noch aufrecht halten, aber mein vater ist zwar noch sehr agil (und würde deshalb keinen Stocke oder Rollator nehmen, weil er das eigentlich auch nicht braucht) aber auf den vereisten Flächen ist mal selbst mit Winterschuhen nicht sicher…
    @Lilo: Ja Schotter oder Splitt wird teilweise in ermangelung des Sand-Salzgemischs genommen, schädigt letztlich später aber auch die Straße oder den lack, wenn’s mit dem Matsch hochspitzt… perfekt ist wohl kaum etwas…

  • mkh:

    Salz ist direkt hier in meiner Straße unvermeidbar, weil ich an einem überaus steilen Gefälle hause (Mittelgebirge). Dennoch finde ich es bemerkenswert, dass das ökologische Problem, das mit dem Salzstreuen einhergeht, aktuell gegen Null thematisiert wird, während der Salznotstand gerade in aller Munde ist.

    Preisrätsel! Weiß eigentlich noch jemand, warum Salz für die Umwelt schädlich ist???

  • Das Problem mit dem fehlenden Salz kennen wir auch zu gut. Wir wohnen in einer kleinen engen Gasse, in der es aufgrund der Lage, sehr glatt ist, wenn nicht gestreut wird.
    Wir haben alternativ Viehsalz nehmen müssen. Wirkt auch ;)

    Gruß Heike

  • Ich hab noch ne große Packung grobes Salz hier, was ich nicht brauche ^^
    Der Streuer ist nämlich kaputt…

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gzi

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