Artikel-Schlagworte: „Komasaufen“
Ein Pint Beer - Foto: Torsten Pirwitz/pixelio.de
In England gehört das Feierabendbier einfach dazu. Alle, die schon mal “auf der Insel” waren, haben die typische Pub-Kultur kennen- und sicher auch liebengelernt. Worüber manche beim Ballermann auf Mallorca nur noch mit dem Kopf schütteln, nimmt jedoch jetzt auch in England immer mehr Formen an.
Mittlerweile torkeln Nacht für Nacht junge Frauen völlig betruken durch britische Straßen, stützen sich gegenseitig, weil sie allein nicht mehr laufen können. Andere übergeben sich am nächstbesten Hauseingang oder liegen reglungslos auf dem Gehweg. Bilder wie diese gehen regelmäßig durch die Presse und zeigen: Für Britinnen ist Trinken bis zum Umfallen gerade zum Wochenende scheinbar ein Volkssport und unter Britinnen mehr als doppelt so häufig verbreitet, wie bei Frauen anderer Nationalität. Und die Frauen beginnen auch schon in jungen Jahren, wie eine kürzlich veröffentlichte Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigte: Jedes dritte Mädchen zwischen 13 und 15 Jahren war schon mindestens zweimal betrunken – in Deutschland war es nur jedes sechste. Gut ein Viertel der jungen Britinnen im Alter zwischen 16 und 24 Jahren gab ein einer Umfrage zu, sich mindestens einmal pro Woche fast bis zur Bewusstlosigkeit zu betrinken.
Dies wird auf einen gesellschaftlichen Bewusstseinswandel zurückgeführt, der mittlerweile auch akzeptiert, dass Frauen betrunken sind. Und: Mädchen wollen durch das Trinken Gruppenzugehörigkeit schaffen, dies gelte auch bei älteren Frauen, die nach dem Job mit ihren Kollegen in den Pub gehen und auch dabei “ihren Mannstehen wollen”. Auch hätten vor 20 Jahren nocht nicht so viele Frauen eigenes Geld verdient um sich große Mengen Alkohol leisten zu können. Männer hätten hingegen immer schon viel getrunken. Schlimm ist auch, dass die Frauen sich durch den exzessiven Alkoholgenuss nicht nur gesundheitlich schädigen, sie werden auch gewaltbereiter. In den vergangenen zehn Jahren erhöhte sich dieZzahl der Gewaltaten unter Frauen um 81 Prozent. – Ich frage mich wirklich: Müssen wir Frauen wirklich auf jedem Gebiet die Gleichberechtigung so anstreben?
Wie oft sieht man Jugendliche nur rumlungern, hört sie sagen “lass uns in Ruhe, wir haben keinen Bock”… oder man liest von Exzessen und Koma-Saufen. Zwei sehr interessante Projekte allerdings machen Mut, nicht die Hoffnung aufzugeben und immer wieder dran zu bleiben, Jugendliche zu motivieren, auf sie zuzugehen und eben auch, Ihnen zuzuhören und Ihre Bedürfnisse zu erfragen und sie mit dem anzusprechen, was sie interessiert und auf eine Art, die die ihre ist.
In Eckernförde wurde am vergangenen Sonntag – um 10 Uhr bei Schmuddelwetter; beides nicht gerade Anziehungskriterien für Jugendliche – der Skaterpark mit einem groflächigen Graffiti-Projekt versehen und ein großer Grill mit Feuerstelle installiert. Die Stadt trug die Kosten ( 250 € für Material) und Streetworkerin Heike Peuster übernahm die Organisation. Für die künstlerische Leitung konnte Michel Wende gewonnen werden, der in der norddeutschen Sprayer-Szene einen Namen hat. Mit 20 jungen Leuten wurden mehrere an den Zaun zur benachbarten Kleingartensiedlung aufgestellte MDF-Platten gestaltet, die nun zur “Graffiti Hall of Fame” werden. Jörg Sibbel, Eckernfördes Bürgermeister, überzeugte sich am Sonntag noch selbst von der Arbeit, die er als “wirklich gelungen” kommentierte.
Ein anderes tolles Beispiel kommt vom Haus der Jugend in Gettorf: Um zu zeigen, dass man auch ohne “Vorglühen”, Koma-Saufen und vorprogrammiertem Absturz Spaß haben und ordentlich feiern kann, findet am Freitag und Samstag (6. und 7. November 2009) “Rock gegen Alk” statt. Mit Unterstützung von Experten will die Leiterin Stephie Johannsen aufzeigen, wohin maßloser Alkoholkonsum führen kann. Vier Stammbesucher des Haus der Jugend haben sich extra für diesen Anlass zu JIMs Barkeepern ausbilden lassen. JIM steht für “Jugendschutz im Mittelpunkt” und ist eine Aktion der Landessuchtstelle Schleswig-Holstein. U.a. erklärt Dietmar Benz von der Polizeidirektion in Neumünster, welch schlimme Folgen es haben kann, wenn Jugendliche Komasaufen. Am Samstag ist im Haus der Jugend ein Erlebnis-Parcours aufgebaut, der von Besuchern ab 12 Jahren durchlaufen werden kann – 1. Station: die Komaparty, weitere Stationen: Persönlichkeitstest, Wissen um Alkohol, sowie die Drunk Buster Brille, die realitätsnah simuliert, wie man die Welt mit 1,5 Promille sieht. Am Samstag Abend dann geht die Party los: “The Vang” aus Neumünstzer und die Gettorfer Schülerband “Robert und die Anderen” machen Rock gegen Alk. Anmeldungen: 04346-413874 oder per eMail












