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Scham..., Rückzug..., lass mich in Ruhe... Foto: Willi Schewski/pixelio.de
Heute ist mal wieder so ein Tag; ein Tag mit einer Überschrift: “Gegen Gewalt an Frauen“. Ich bin glücklich, ich musste das bislang nicht erleben. Ok., der Backs in der Kinderzeit zählt für mich nicht wirklich dazu, heutzutage sieht man selbst das anders.
Aber ich denke an wirklich unterdrückte Frauen und Mädchen, die das Haus nicht allein verlassen dürfen, die nicht frei sind, zur Schule zu gehen, eine Ausbildung zu machen, sich mit Freundinnen zu treffen, Kaffee zu trinken, shoppen zu gehen, zu lächeln – die das nicht dürfen, weil sie eine Frau sind, weil sie mit einem Lächeln, ihren Augen, ihrer Kleidung, ihrer Haare oder ihrer Bildung provozieren könnten. Frauen, die das angebliche Eigentum mancher Männer sind, die eingesperrt, geschlagen, geprügelt, unterdrückt, vergewaltigt werden, weil der Kaffee nicht schmeckt, das Haus nicht sauber genug ist, die Fliege an der Wand stört oder weil Mann gerade schlechte Laune hat… Nicht auf der Straße, als Überfall oder verbrechen, sondern zu Hause, da, wo jede sich wohlfühlen und ge/beschützt fühlen soll.
“My home is my castle” verkehrt sich dann ins Gegenteil, denn jede Seite hat zwei Medaillen und ein Schloss hat oft einen Kerker und da sind die Mauern so dick, dass die Nachbarn, die Freunde nichts hören und sehen können (wollen)… und blaue Flecken nur vorhanden sind, weil – Ungeschicktheit lässt grüßen – frau sich mal wieder am Stuhl oder Tischbein gestoßen hat, gegen die Schrankecke oder offene Tür gelaufen ist… Jede vierte Frau in Deutschland erlebt mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt durch ihren Lebensparter…
Gewalt an Mädchen und Frauen hat unglaublich viel mit Scham zu tun – Scham der Betroffenen, sich das antun zu lassen und keine Kraft der Gegenwehr oder des Weggehens zu haben, Scham, sich einen solchen Partner ausgesucht zu haben, der vormals doch so liebevoll war und nun ein ganz anderer geworden ist, daher die Hoffnung, dass jeder Schlag der letzte war und nun alles wieder gut wird. Gewalt an Frauen baut vor allem auf der Angst auf, wenn man was sagt oder weggeht und dann gefunden wird oder zurück muss, dann wird alles nur noch schlimmer, noch schmerzvoller, noch schrecklicher. Darum decken so viele Frauen ihre gewaltbereiten, nein: gewalttätigen Männer…
Frauen- und Mädchenhäuser; Beratungsstellen und Frauennotrufe leisten seit den 70er Jahren einen unglaublich großen Dienst für die Sicherheit der Frauen und Mädchen. Die Menschen, die dort arbeiten sehen unglaublich viel Leid, leben selbst oftmals mit Bedrohungen, weil sie helfen, wo die Schläger und Unterdrücker meinen, Außenstehende dürften nicht helfen und hätten nichts zu sagen. Gewalt an Frauen passiert täglich, 1.100 Frauen sind in Schleswig-Holstein mit ebenso vielen Kindern im Jahr 2008 in die Obhut von Frauenhäuser geflohen. Betroffen bei uns in Deutschland sind nicht nur Frauen mit Migrationshintergrund, sondern jede kann es erleben… darum dürfen wir nicht schweigen und wegschauen, darum müssen wir bereit zur Hilfe sein, darum brauchen diese Organisationen unsere (Mit)Hilfe.
P.S. Ich weiß sehr wohl, dass es auch hierfür das Gegenbeispiele gibt: Frauen, die Gewalt gegen Männer ausüben. Aus hierfür gibt es keine Entschuldigung, auch da darf/sollte man nicht wegsehen. Auch hierfür gibt es Hilfestellen.
P.P.S Helfen kann Gefahr für einen selbst bedeuten, aber deshalb sollte man nicht nichts tun. Wissen und Information sind ein wichtiger Schritt, auch um zu wissen, wohin frau/man sich wenden kann, als Betroffene/r oder als Helfende/r, daher hier ein paar Links:
Bundesverband Frauenberatungsstellen, Frauennotruf Kiel, Mädchenhaus Kiel, Männer gegen MännerGewalt
Gewalt gegen Männer, Mann als Opfer







